Finden Sie das Bild, das nicht dazugehört. Ihr Gehirn hat dabei eine eigene Meinung.
Ein Raster aus Bildern, eines davon tanzt aus der Reihe: eine Schlange zwischen Blumen, ein Pilz zwischen Spinnen. Ihre Aufgabe ist jedes Mal dieselbe. Tippen Sie so schnell wie möglich auf das Bild, das anders ist.
Das Werkzeug misst, wie viele Millisekunden Sie brauchen. Es vergleicht, ob Sie Schlangen und Spinnen schneller finden als Blumen und Pilze, und ob das Raster mit 4, 9 oder 16 Bildern daran etwas ändert. Der Psychologe Arne Öhman hat dieses Experiment 2001 in Stockholm mit Fotos durchgeführt. Hier spielen Sie es mit Illustrationen nach.
Welches Bild gehört nicht dazu?
Tippen Sie, sobald Sie das abweichende Bild sehen. Fehler sind nicht schlimm, sie werden einfach nicht gewertet.
Median in Millisekunden. Je flacher die Linie, desto weniger stören zusätzliche Bilder.
Median Ihrer richtigen Antworten, über alle Rastergrössen.
Arne Öhman, Anders Flykt und Francisco Esteves liessen 2001 Versuchspersonen in Bildrastern nach dem abweichenden Bild suchen. Ihr Befund:
«Fear-relevant pictures were found more quickly than fear-irrelevant ones.»
Schlangen und Spinnen wurden schneller gefunden als Blumen und Pilze. Und die Suche nach ihnen wurde nicht langsamer, wenn mehr Bilder im Raster standen: Das Gehirn sucht sie nicht Bild für Bild ab, sie springen heraus. Die Forschung erklärt das mit der Geschichte unserer Art. Wer die Schlange im Gras übersah, hatte keine Nachkommen. Ob diese Erklärung stimmt, ist umstritten. Der Befund selbst ist robust.
Die Aufgabe war jedes Mal dieselbe: das abweichende Bild finden. Sie haben nichts gegen Blumen. Trotzdem hat Ihr Gehirn die Aufgabe nicht jedes Mal gleich gelöst. Es hat entschieden, bevor Sie entschieden haben.
Medien kennen diesen Mechanismus seit jeher. Eine Auswertung von über zwölftausend Schlagzeilentests zeigt: Jedes zusätzliche negative Wort in einer Schlagzeile erhöht die Klickrate um rund 2,3 Prozent (Robertson et al. 2023). Was die Schlange mit dem Bild macht, macht die Schlagzeile mit dem Wort. Sie wartet nicht, bis Sie sich entscheiden, hinzuschauen.
Das ist die erzwungene Aufmerksamkeit. Die andere Form ist die geschenkte: Aufmerksamkeit, die Sie freiwillig vergeben, weil Sie einer Sache oder einem Medium vertrauen. Um diesen Unterschied geht es in der Serie «Vertrauen statt Aufmerksamkeit».
Die Illustrationen wurden mit ChatGPT erzeugt, in derselben Farbpalette für alle vier Kategorien. Die Schlangen und die Blumen sind im Mittel gleich hell, die Farbe allein verrät die Schlange also nicht. Die Pilze sind etwas heller als die Spinnen. Ein einzelner Durchgang ist kein wissenschaftliches Experiment: Müdigkeit, Gerät und Zufall spielen mit. Gewertet wird der Median, damit einzelne Ausreisser nicht ins Gewicht fallen.
Aufmerksamkeit ist eine Investitionsstrategie des Gehirns.
Die Frage ist, wer über die Investition entscheidet.