Ein Satellit auf 500 Kilometern Höhe verglüht nach fünf bis sechs Jahren. Einer auf 900 Kilometern bleibt Jahrhunderte oben. Einer auf über 1000 Kilometern Jahrtausende. Die Rechenzentren, die Jeff Bezos und Elon Musk ins All bringen wollen, sollen auf 500 bis 2000 Kilometern kreisen.
Hans Jonas hat 1979 beschrieben, warum die überlieferte Ethik damit nichts anfangen kann: Sie wurde für Menschen gemacht, die zur selben Zeit leben. Wer heute entscheidet und wer die Folgen trägt, waren immer Zeitgenossen. Das ist vorbei.
Dieses Werkzeug fragt zuerst Sie: Wie weit reicht Ihre Verantwortung? Sie setzen Ihren Horizont auf eine Zeitachse. Erst dann legt das Werkzeug darüber, wie lange die Folgen bleiben. Was rechts von Ihrem Horizont liegt, ist der Teil der Zukunft, den Sie sich bisher nicht zugerechnet haben.
Für wen fühlen Sie sich verantwortlich?
Nicht: für wen sollten Sie. Sondern: Wie weit reicht Ihre Sorge tatsächlich, wenn Sie ehrlich sind? Bis zu Ihrem eigenen Lebensende? Bis zu Ihren Kindern? Bis zu Menschen, deren Namen niemand kennen wird?
Die Achse ist logarithmisch: Jeder Abschnitt steht für das Zehnfache. Sonst passten fünf Jahre und zehntausend nicht auf dieselbe Linie.
Was bleibt, und wie lange
Wollen Sie den Horizont verschieben?
Sie dürfen ihn auch lassen, wo er ist. Aber jetzt, wo Sie die Achse gesehen haben: Wie weit reicht Ihre Verantwortung?
Zwei Horizonte
Die Achse noch einmal
Hans Jonas hat für die Lücke, die Sie eben gesehen haben, einen neuen Imperativ formuliert. Er ist nicht so elegant wie der von Kant, aber er ist für genau diesen Fall gebaut:
Hans Jonas wusste, dass sich diese Pflicht schwer begründen lässt: Wer noch nicht existiert, kann nichts fordern, nichts zurückgeben, sich nicht beschweren. Er hat es deshalb mit einem Bild statt mit einem Beweis versucht. Das Neugeborene hat nichts versprochen und nichts unterschrieben. Es atmet, und das genügt. «Sieh hin und du weisst.»